Klettern in Andalusien

Klettergebiete im südlichen Andalusien

Andalusien ist die südlichste der autonomen Gemeinschaften Spaniens und ein lohnendes Reiseziel zum Klettern. Neben vielen kleineren Gebieten liegt dort auch eines der bekanntesten Winterklettergebiete: El Chorro.

Andalusien – Sonne, Klettern und Meer

Andalusien grenzt sowohl an das Mittelmeer als auch an den Atlantischen Ozean. Getrennt werden die beiden von der Meerenge von Gibraltar. Die scheinbar unberührte Natur und das warme mediterrane Klima machen diese Region zu einem beliebten Urlaubsziel für Kletterer, Wanderer und Wassersportler.

Seinen Besuchern bietet Andalusien neben den typischen kleinen Städtchen sowohl wunderschöne Gebirgsregionen und Felswände als auch ruhig gelegene und wenig überlaufene Strände. Kulturbegeisterte kommen in den Städten wie zum Beispiel in Sevilla, der Hauptstadt der Region, ebenfalls auf ihre Kosten.

Da im Sommer die Temperaturen nicht selten auf über 40 Grad steigen, lohnt sich eine Reise nach Andalusien aber eigentlich nur im Herbst, Winter und natürlich im Frühling. Dann sind die Temperaturen schön angenehm und mann kann ausreichend Sonne tanken, während in Deutschland der Himmel wolkenverhangen und trüb ist.

Wir waren schon mehrere Male zum Klettern in Andalusien. Hauptsächlich hielten wir uns dabei in El Chorro und Umgebung auf. Unsere letzten Urlaubs-Reiseberichte mit Bildern findest du hier:

Frankreich-Spanien-Marokko Rundreise Teil 2 (2015)
Frankreich-Spanien-Marokko Rundreise Teil 3 (2016)
Reise nach El Chorro (2013)

Wissenswertes zum geplanten Urlaub

Wer über einen Urlaub in El Chorro oder dem Rest des südlichen Andalusiens nachdenkt, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Gegend sehr weitläufig und ländlich ist. Die Investition in einen Mietwagen lohnt sich.

Anreise und Unterkunft

Die einfachste und schnellste Anreise erfolgt natürlich mit dem Flieger. Von Frankfurt nach Málaga fliegt man etwa drei Stunden und steigt dort ganz entspannt aus dem Flieger. Von Málaga nach El Chorro sind es nochmal etwa 60 Kilometer. Nach Tarifa fährt man circa 2 Stunden mit dem Auto. Wer sich nur für El Chorro interessiert und sich einen Mietwagen sparen will, der kann auch den Zug nehmen und direkt am Bahnhof in El Chorro aussteigen.

Reisende mit sehr viel Zeit im Gepäck können auch mit dem eigenen Auto oder Wohnmobil anreisen. Doch dann gilt zu bedenken, dass die Strecke zwar sehr schön, aber auch sehr weit ist. Wir haben das mit dem Wohnmobil auch schon gemacht und uns für die komplette Strecke in den Süden etwa eine Woche Zeit und einige Zwischenstopps gegönnt.

Unterkünfte und Ferienwohnungen gibt es viele. Vor allem in El Chorro und der näheren Umgebung findet man einige Kletterlodges, wo man unter Gleichgesinnten verkehrt und im Zweifel auch schnell einen Kletterpartner findet. Wir waren entweder mit dem Wohnmobil auf dem Campingplatz Parque Ardales oder aber in der Finca La Campana, die mit Pool, kleinem Laden und vielen aufgeschlossenen Kletterern aufwaten kann. Der Campingplatz Parque Ardales war in den Herbstferien und Osterferien angenehm leer und ruhig. Der große See am Campingplatz zaubert eine wunderschöne Kulisse und mit dem Fahrrad oder Mietwagen ist man schnell in einigen Klettergebieten.

In der Nähe von Tarifa, waren wir ebenfalls schon auf Campingplätzen in Meeresnähe gewesen. In Tarifa selbst findet man natürlich auch günstige Hostels und Ferienwohnungen.

Klettern in El Chorro und dem Rest des südlichen Andalusiens

Mehrseillängentouren in bestem Kalkstein, Plattenkletterei in der winterlichen Sonne, technische Wandklettereien und pumpige Überhänge – Andalusien hat alles. Egal ob Anfänger oder starker Kletterer – je nach Gebiet kommt jeder auf seine Kosten.

Kletterguides

Vor allem für El Chorro empfehlen wir diese Kletterguides:

El Chorro Rock Climbing Guide
von Mark Glaister (Link zu Buecher.de)*

Auch der Kletterguide Escalada en Malaga – El Chorro von Javier Romero Rubiols ist sehr empfehlenswert. Diesen haben wir bisher leider nur direkt in Spanien zum Beispiel im Klettershop in El Chorro bekommen. Leider sind beide Kletterführer nur in Spanisch und Englisch geschrieben, was die Wegfindung zu den Sektoren manchmal etwas komplizierter macht.

Beschreibungen zu den Klettergebieten, die wir selbst besucht haben

Wer Spanien und Andalusien hört, denkt als erstes an El Chorro. Kein Wunder, denn es ist eines der bekanntesten Winterklettergebiete – und das nicht ohne Grund. In der Region um El Chorro existieren über 1.200 Klettertouren im Schwierigkeitsbereich zwischen 3 und 8c+.

Aber neben den bekannten Sektoren in und um El Chorro gibt es noch einige weitere Gebiete, die es zu besuchen lohnt. Hier möchten wir euch gerne die vorstellen, die wir besucht haben.

Valle de Abdalajis

Platten so weit das Auge reicht. Platten und Sonne. Valle de Abdalajis ist ein typisches Winterklettergebiet und liegt ganztägig in der Sonne. Auch an kühleren Tagen lässt es sich hier beruhigt im T-Shirt klettern. Zwischen den vielen Einsellängenrouten finden sich auch hin und wieder Routen mit zwei Seillängen. Die Schwierigkeiten liegen zwischen dem 4. und 6. französischem Grad und sind eher technischer Natur. Man sollte aufgrund der mitunter langen Seillängen mit einem Seil von 70 Metern, besser sogar mit 80 Metern einsteigen.

Lage: Der Sektor westlich des gleichnamigen Ortes. Aus dem Ort heraus führt eine kleine Straße von der man die unverkennbaren Felswände auch gleich erkennen kann. Etwa 300 Meter nach Verlassen des Ortes Valle de Abdalajis kann man sich einen Parkplatz etwas abseits der Fahrbahn suchen.

Zustieg: Zum Klettergebiet führen mehrere kleine Trampelpfade. In etwa 15 Minuten hat man den Hügel erklommen und steht am Wandfuß. Achtung aber, wenn du an der kleinen Hundehütte vorbei kommst: die Biester dort sind nicht so besonders besucherfreundlich.

Kinder: Nah am Wandfuß sind die freien Flächen durchaus für trittsichere Kinder geeignet und bieten Platz zum spielen. Auch der Zustieg ist nicht sonderlich schwer. Allerdings wachsen dort auch viele Büsche, zwischen denen sich Kinder schnell verlaufen können und die Sicht zu den Erwachsenen verlieren können.

Absicherung: Im Grunde ist die Absicherung gut und ausreichend vorhanden. Manchmal wünscht man sich aber auch an einer besonders wackligen Passage einen Haken mehr in der Wand.

Escalera Arabe, Sektor Sergio

Der Sektor Escalera Arabe bietet einen atemberaubenden Blick auf die Umgebung. Das Gebiet ist sehr sonnig und deshalb für kühlere Tage und Jahreszeiten geeignet. Der Sektor bietet einige schöne und leichte Routen im vierten und fünften Franzosengrad. Aber auch darüber hinaus findet man tolle Kletterrouten. Die Bewertung ist fair und die Kletterei eher technisch.

Lage: Der Sektor liegt nordöstlich des Stausees von El Chorro. Von El Chorro fährt man in Richtung Valle de Abdalajis und parkt kurz vor dem Klettergebiet Las Encantadas.

Zustieg: Wer in diesen Sektor möchte, muss zuvor etwa eine halbe Stunde oder etwas länger bergauf über einen großen Schotterweg wandern. Wenn man die Felswände erblickt, findet man auch verschiedene Trampelpfade, die hinauf zur Wand führen.

Kinder: Allein wegen des langen und anstrengenden Fußwegs ist es zu überlegen, ob man seinen Kindern den langen Zustieg zumutet. Auch am Wandfuß gibt es nur wenige Möglichkeiten für die Kleinen, sich sicher aufzuhalten. Wir waren deshalb meistens zu zweit und ohne Kinder hier.

Absicherung: Die Absicherung hier war sehr gut und die Abstände der Haken angenehm kurz.

Caliza

Wenn man nur wenig Zeit hat und eine schnelle Runde klettern möchte, dann bietet es sich an diesen Sektor neben dem Stausee von El Chorro zu besuchen. Die meisten Routen sind im 6. französischen Grad und sowohl die Fels- als auch die Hakenqualität war nicht besonders erwähnenswert.

Lage: Der Sektor liegt direkt neben dem Stausee von El Chorro an der Straße.

Zustieg: Hinfahren. Parken. Aussteigen. Klettern.

Kinder: Der Sektor liegt genau neben einer gut befahrenen Straße. Auch herrscht eine größere Steinschlaggefahr als anderswo. Oft liegt hier auch Müll und Glas auf dem Boden. Dafür können die Kleinen nirgendwo abstürzen.

Absicherung: Es gibt besser abgesicherte Sektoren, was wohl auch an dem bröseligen Fels liegt. Der eine oder andere Bohrhaken hätte es während unserer Anwesenheit auch mal nötig gehabt, ausgetauscht zu werden.

Túron West

Am Vormittag bis in den Nachmittag hinein scheint hier die Sonne. Im Winter kann es hier also durchaus auch mal kühl bis kalt beim Klettern werden. Die Routen sind eher technisch anspruchsvoll, gehen aber teilweise auch ganz schön in die Arme. Leichte Routen gibt es hier nur wenige – die meisten liegen im Schwierigkeitsgrad 6b aufwärts. Ein 60 Meter Seil sollte für die meisten Routen reichen. Besser ist aber ein Seil mit 70 Metern.

Lage: Túron West liegt auf etwa einem Drittel des Weges von Ardales nach El Burgo. Von Ardales kommend führt nach etwa 6,5 Kilometern ein kleiner Weg rechts zu einer Farm. Dort parkt man am besten bei der kleinen Brücke und geht zu Fuß weiter.

Zustieg: Von der kleinen Brücke aus hält man sich hinter dem Fluss rechts und kommt schnell zum ersten Farmgebäude. Hier stößt man auf die ersten Trampelpfade, die zum Klettergebiet führen. In etwa 10 Minuten ist man am Felsen. Beim Zustieg sollte man nicht vergessen, dass man sich auf dem Gelände der Farm befindet und sich wie ein Gast benimmt.

Kinder: Im Großen und Ganzen kann man Kinder mit an den Felsen nehmen. Sie sollten aber schon ein wenig Trittsicherheit haben und verstehen, dass man nicht alles in den Mund nimmt. Denn beim Zustieg und auch am Wandfuß liegt viel Geröll herum und an einigen Stellen geht es etwas steiler Bergab. Außerdem liegt aufgrund der Farm überall Ziegenkot herum.

Absicherung: Die Bolts waren teilweise rostig und wenig vertrauenerweckend. Die Abstände waren okay, aber könnten auch gerne ein wenig enger beieinander liegen.

El Torcal

Optisch ist El Torcal mit Sicherheit eines der schönsten Gebiete in Andalusien und auch zum Wandern eine tolles Ausflugsziel. Leider hatten wir bei unserem Besuch kein Glück mit dem Wetter und wanderten hier Ende Oktober durch Nebel und Kälte. Weil es so kalt war und alle, die nicht gerade kletterten, sich den Arsch abgefroren hatten, kann ich wenig zur Kletterei selbst sagen. Nur, dass das, was wir klettern konnten ungewohnt athletisch aber schön war.

Lage: Die Klettergebiete in El Torcal liegen im gleichnamigen Naturschutzgebiet. Von Antequera ist der Weg dahin gut ausgeschildert. Bei einer Lage auf über 1.000 Meter über Null kann es hier durchaus schon im Herbst ungemütlich und kalt werden.

Zustieg: Je nach Tageszeit und Saison darf man nicht mit dem Auto bis zum Besucherzentrum fahren, sondern muss auf einem ausgeschilderten Besucherparkplatz parken und mit dem Shuttlebus fahren. Vom Besucherzentrum aus läuft man dann in Richtung Aussichtsplattform. Links führt dann ein Weg in die skurril geschichteten Felsen. Da die Klettersektoren sehr schwer zu finden sind, lohnt es sich, jemanden nach dem Weg zu fragen, der sich dort auskennt. Wir selbst haben auch mehr als eine halbe Stunde gesucht, bis wir die ersten Bohrhaken entdecken konnten.

Kinder: Prinzipiell bedarf es einiges an Trittsicherheit, die Kinder unbeschadet in die Sektoren zu schaffen. Zumal einige nicht breite aber dafür sehr tiefe Felsspalten zu überqueren sind. Mit Hilfe von mindestens einem trittsicheren und hilfsbereiten Erwachsenen ist das aber kein Problem. In den Sektoren dann ist die Gefahr für die Kleinen aber gebannt und viel Platz zum spielen da.

Absicherung: Leider waren wir nur in einer einzigen Route zum Klettern. Diese war aber ganz akzeptabel abgesichert.

Mijas

Wer sich vor Taubenscheiße an den Fingern und den neugierigen Blicken anderer Touristen nicht scheut, der findet mitten in der kleinen Stadt Mijas ein nettes Klettergebiet, das dank der sehr eng beieinanderliegenden Wände auch bei leichtem Regen noch lange trocken ist. Die meisten Routen sind im Schwierigkeitsgrad zwischen 6a und 6c. Leichter gibt es hier kaum etwas, aber ein paar schwierige Routen für die starken Kletterer unter uns sind durchaus auch da. Ein Kletterseil mit 60 Metern ist bei den etwa 26 Meter hohen Wänden ausreichend. Die Routen sind anspruchsvoll und man muss bei jedem Griff damit rechnen in schmierige Taubenkacke zu greifen oder eine Taube aus ihrem Loch zu jagen, wenn man nach oben greift.

Lage: Das Klettergebiet liegt mitten in der gleichnamigen Stadt. Aber Vorsicht, es gibt auch die Stadt Mijas Costa. Parken kann man mit einem PKW irgendwo in der Stadtmitte. Mit dem Wohnmobil ist es aus eigener Erfahrung übrigens nicht empfehlenswert in die engen Gassen zu fahren.

Zustieg: Parkt man im Zentrum, findet man das Gebiet ganz leicht. Der Eingang zur Felsspalte liegt bei den Eselställen.

Kinder: Vom Taubenkot mal abgesehen ist das Gebiet für Kinder ziemlich gut geeignet. Sie sollten aber aufgrund der Hinterlassenschaften der Tauben verstehen, dass sie nichts in den Mund nehmen. Entfernen sie sich von der Felsspalte und gehen zu den Eselställen, sollte man aufpassen. Auch ein Esel ist nicht immer nett und hinter den Ställen sind die Klippen eine echte Gefahr zum Abstürzen.

Absicherung: Die Routen waren bei unserem Besuch alle mit ausreichend Bolts versehen. Außerdem waren diese in ganz gutem Zustand. Das sollte man aber immer wieder überprüfen, da hier in Meeresnähe Rost innerhalb von kurzer Zeit einen Bolt schädigen kann.

San Bartolo (Betis)

Zu guter Letzt ein echter Tipp von uns: Das Klettergebiet San Bartolo. Für uns ist das Gebiet ganz im Süden, in der Nähe von Tarifa, das Paradies schlechthin. Wer auf der Durchreise ist, sollte auf jeden Fall hier einen Stop einlegen und klettern gehen. Man klettert hier zur Abwechslung in hervorragendem Sandstein. Die Wandhöhe reicht, je nach Sektor, von kurzen, 13 Meter langen Routen bis zu schönen langen Routen im Sektor Mosiaco. Klettern kann man hier in nahezu allen Schwierigkeiten. Obwohl es im Umkreis von Tarifa eines der Größten Gebiete ist, war es bei unserem Besuch (Oktober 2015 und Januar 2016) eher ruhig und leer am Felsen.
Auch das Ort Betis ist erwähnenswert, da hier die Tiere nicht eingesperrt leben, sondern große Freiflächen (darunter auch die Straße) für sich beanspruchen. So kommt es nicht selten vor, dass man hinter Pferd, Kuh und Schwein die Straße entlang fährt.

Lage: Das Gebiet liegt oberhalb des kleinen Dörfchens Betis, etwa 11km von Tarifa entfernt. Im Dorf gibt es zwei gute Parkmöglichkeiten. Dort sind auch die beiden Kletterfelsen (Zona de Arriba und Tajo del Búho) ausgeschildert.

Zustieg: Vom Parkplatz kann man beide Felsriegel gut erkennen. Man benötigt etwa 15 Minuten zu Fuß.

Kinder: Der Zustieg ist für Kinder an der Hand gut zu meistern, allerdings sollte man auf die eine oder andere Dornenranke aufpassen. Am Wandfuß ist für die Kleinen Platz zum spielen. Zwischen den Sektoren Mosiaco und Arapiles befindet sich außerdem eine Höhle, die sich als Basecamp für die größeren Kleinen zum spielen gut eignet.

Absicherung: Die Routen hatten zwar ausreichend Bolts in angenehmen Abständen, aber es gab auch einige rostige Bohrhaken und Umlenker. Erfahrung in solchen Situationen ist also von Vorteil und im Zweifel sollte über die Nachbarroute abgeseilt werden, wenn der Umlenker fragwürdig erscheint.

Warst du auch schon in Andalusien klettern? Dann erzähle uns von deinen Erfahrungen und gib uns deine Tipps in den Kommentaren. Oder hast du Fragen? Wir antworten dir gerne.

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