Stempelwagenheber Weber Hydraulik

Welcher Wagenheber ist der Richtige?

Der Winter kehrt uns den Rücken und macht Platz für den Frühling. Für viele wird es bald Zeit, ihre Reifen am Wohnmobil zu wechseln und so manch einer steht nun vor der Flut an Angeboten für Wagenheber.

Welcher Wagenheber ist der Richtige?

Tippe ich bei Onkel Google „Wagenheber“ ein, bekomme ich eine ganze Reihe unterschiedlicher Ergebnisse vorgestellt. Vom Hydraulik-Wagenheber über den Scherenwagenheber bis hin zum Rangierwagenheber. Aber welcher eignet sich für mich und macht mir das Anheben meines Wohnmobils am leichtesten? Und welchen Wagenheber kann ich sowohl zum regelmäßigen und geplanten Reifenwechsel als auch als Notfall-Wagenheber für unterwegs benutzen?

Wagenheber und ihre Sicherheit

Alle in Deutschland erhältlichen Geräte erfüllen grundsätzlich eine gewisse Sicherheit. Wer aber auf Nummer Sicher gehen möchte hält nach Geräten Ausschau, die das GS oder TÜV-Siegel tragen. Vor dem Einsatz sollte man natürlich selbst nochmal einen Blick darauf werfen, ob das Gerät Risse, defekte Schweißnähte oder sonstige erkennbare Beschädigungen zeigt.
Generell gilt: Bei angehobenem Fahrzeug Hände und Füße unter dem Wagen und dem Reifen weglassen und niemals unter das Fahrzeug kriechen. Dann passiert selbst bei Versagen des Hebers nichts.

Die benötigte Traglast

Diese hängt stark vom Eigengewicht des Fahrzeugs ab. Wechselt man einen Reifen, so können je nach Situation bis zu 40% des Fahrzeuggewichtes auf den Wagenheber drücken. In Einzelfällen (bei Gefälle etc.) kann dies sogar überschritten werden. Das Gerät deiner Wahl sollte also auch für diese Traglast ausgelegt sein.

Was sagt die Hubhöhe aus?

Meistens wird die Hubhöhe mit einem minimalen Wert und einem maximalen Wert angegeben. Der Minimale Wert gibt in der Regel die Bauhöhe des Hebers an. Die Maximale Hubhöhe sagt aus, bis zu welcher Höhe sich der Heber ausfahren lässt. Ist zum Beispiel eine Hubhöhe von 11 bis 47 cm angegeben, heißt das, ich brauche unter dem Fahrzeug mindestens 11 cm Platz und kann dann um 36 cm anheben, bis eine Höhe von 47 cm erreicht ist.

Achtung: Wenn du dein Fahrzeug ausmisst, bedenke unbedingt, dass das Fahrzeug erst aus der Federung gehoben werden muss, bis sich die Reifen vom Boden lösen. Am besten misst du diesen sogenannten Federweg mit einem vorhandenen Wagenheber aus.
Außerdem musst du bedenken, dass bei einer Reifenpanne der Reifen komplett platt sein kann. Dann verringert sich der Abstand von der Wagenheber-Aufnahmefläche bis zum Boden entsprechend.

Wo sind überhaupt die Aufnahmen für den Wagenheber?

Normalerweise findest du eine Beschreibung der Aufnahmen in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs.

Wir fahren ein Wohnmobil mit einem Fiat Ducato als Basisfahrzeug. In den folgenden Bildern zeige ich dir durch hell markierte Stellen, wo bei uns die Aufnahmen sitzen und wie sie aussehen.

Du solltest immer darauf achten, dass die Auflagefläche zu deiner Aufnahmefläche passt und nicht zu klein ist, weil du sonst eventuell die Aufnahmefläche verbiegen kannst. Im Zweifel legst du lieber noch ein stabiles Brett unter, um den Druck zu verteilen.

Die unterschiedlichen Wagenheber-Arten

Alle Arten haben ihre Vor- und Nachteile und unterscheiden sich in Bedienung und Einsatzgebiet.

Der Scherenwagenheber

Der Scherenwagenheber ist bei den meisten Mobilen bereits im Boardwerkzeug enthalten. Hierbei handelt es sich um einen rautenförmigen Wagenheber, der im Verhältnis zu anderen Wagenheberarten relativ leicht und platzsparend ist. Eine Gewindestange verbindet beide Seiten. Mit Hilfe einer Kurbel oder Ratsche werden diese dann beim aufbocken zusammengezogen und das Wohnmobil hebt sich an. Zum Ablassen kurbelt man wieder in die andere Richtung, die Seiten gehen auseinander und das Wohnmobil kommt wieder auf die Füße.

Der Rangierwagenheber

Das ist der manövrierfähigste Wagenheber, der auf Rollen daher kommt und meistens mit Öldruck (hydraulisch) arbeitet. Das vereinfacht das Anheben stark. Dank der Rollen (oft 2 davon beweglich und 2 unbeweglich) lässt sich das Fahrzeug theoretisch auf ebenem Untergrund noch bewegen, wenn es angehoben wurde. Außerdem lässt sich der Wagenheber dank der Rollen einfach unter dem Wagen positionieren.

Mittels eines Hebels, der auf und ab bewegt wird, baut sich der Öldruck auf und der Hebearm des Wagenhebers hebt sich nach oben. Nach dem Reifenwechsel wird ein Ventil geöffnet und das Wohnmobil senkt sich wieder. Das Anheben erfordert dank der Hydraulik wenig Kraft und der Ablassvorgang geht schnell und unkompliziert.

Was erstmal gut klingt ist für die Praxis nicht immer perfekt. Für ein Wohnmobil reicht oft die Hubhöhe der handelsüblichen Wagenheber (meist bis 35 cm) nicht aus. Für größere Hubhöhen muss man schon tiefer in die Taschen greifen. Außerdem er nur stationär zu gebrauchen, da er groß und sehr schwer (15 kg, oft aber deutlich mehr) ist.

Der Stempelwagenheber

Der Schwerarbeiter unter den Wagenhebern. Stempelwagenheber sind die leistungsstärksten Wagenheber und es gibt Varianten, die bis zu 30 Tonnen anheben können. Für sie sind auch größte Wohnmobile kein Problem. Es gibt sie als Hydraulik- oder Pneumatik-Variante und in Profiwerkstätten auch als Luftdruck-Variante. Die wohl bekannteste Variante ist die Hydraulik-Variante. Hier wird mittels Öldruck die Hubkraft aufgebaut.

Obwohl diese kompakten Wagenheber oft eine große Last anheben können, reicht in einigen Fällen die Hubhöhe bei einem Wohnmobil nicht aus. Man sollte also einen Stempelwagenheber mit Doppelhubstange bevorzugen.

Diese kleinen Kraftwunder arbeiten ähnlich wie Rangierwagenheber und heben durch auf- und abbewegen des Hebels das Wohnmobil an. Ein Öffnen des Ventils lässt es wieder zu Boden kommen.

Die Wagenheber liegen mit ihrem Eigengewicht irgendwo zwischen dem leichten Scherenwagenheber und dem schweren Rangierwagenheber.

Der Ballonwagenheber

Das ist eine ganz spezielle Art des Wagenhebers. Er ist wie ein großer Luftsack mit einem Anschluss für den Auspuff (manchmal auch für einen Kompressor). Über die Abgase bzw. Druckluft wird er dann aufgepumpt.

Ursprünglich im Rallyesport verwendet, besitzt er vor allem auf unebenem oder sehr weichem Grund seine Stärken. Wo andere Wagenheber im Schlamm versinken oder keinen sicheren Stand finden können, kann er den Wagen anheben. Auch hat er ein geringes Gewicht und benötigt nur wenig Platz zur Lagerung.

Allerdings hat er auch seine Nachteile, weshalb er für uns nicht in Frage kam. Zum Befüllen muss das Anschlussstück am Auspuff festgehalten werden. Somit bedarf es immer einer zweiten Person, die den Füllvorgang des Ballons überwacht und darauf achtet, dass er sich richtig entfaltet und beim aufblasen nicht auf scharfe Kanten drückt. Außerdem kann es bei abfallendem Gelände zum Verrutschen des Fahrzeugs kommen, da dieses nicht sehr stabil auf dem Heber lastet. Die Abgase, die in den Ballon gepumpt werden, werden natürlich beim Entleeren wieder freigesetzt. Gesundheitsfördernd ist das sicher nicht, wenn man daneben steht.

Der Beste

Den gibt es nicht.

Jeder Typ hat seine eigenen Stärken und Schwächen.

Generell sind hydraulische Wagenheber deutlich einfacher und kraftsparender zu bedienen als der Scherenwagenheber. Dieser hat aufgrund seiner geringen Bauhöhe, seines sehr geringen Gewichtes aber durchaus als Notfallwerkzeug für unterwegs seine Daseinsberechtigung. Wer viel im Gelände unterwegs ist, liegt auch mit einem Ballonwagenheber nicht ganz verkehrt.

Man sollte sich vor dem Kauf immer genau überlegen, zu welchem Zweck man einen Wagenheber kaufen möchte und ob man vielleicht sogar situationsabhängig zwei Wagenheber verwenden will. Dann empfiehlt sich beispielsweise ein Scherenwagenheber für den Notfall unterwegs und ein Rangierwagenheber für das bequeme Reifenwechseln zuhause. Wer besonders schwere Wohnmobile fährt oder wie wir nur einen Wagenheber einsetzen möchte, der kommt um einen Stempelwagenheber kaum herum.

Wir haben auf der Suche nach dem Besten einen kleinen Wagenheber-Test mit verschiedenen Modellen gemacht. Lese hier, welche Modelle wir getestet haben und wie wir uns entschieden haben: https://felsundwald.de/wagenheber-test/

Eine Riesige Auswahl an Wagenhebern findest du zum Beispiel bei Amazon*

Welchen verwendest du?

Wie sieht es bei dir aus? Hast du den perfekten Wagenheber für dich und dein Mobil gefunden oder bist du noch auf der Suche? Berichte mir von deinen Erfahrungen in den Kommentaren.

5 Kommentare

  1. Du schreibst; „… dass das Fahrzeug erst aus der Federung gehoben werden muss, bis sich die Reifen vom Boden lösen.“
    Deshalb setzt man den Wagenheber ja auch unter die Achse an – und nicht unter dem Fahrgestell oder der Karosserie!
    liebe Grüsse vom Muger

  2. Guten morgen!
    Nun, den Wagenheber setzt man üblicherweise an den vorgegebenen Stellen an (wie oben gezeigt). Und wenn ich das mache, muss ich immer den Federweg der Räder überbrücken. Denn wenn das Mobil auf den Rädern steht, sind die Federn durch das Eigengewicht belastet (nennt man auch „negativer Federweg“). Durch das Anheben des Fahrzeugs werden die Federn entlastet und dann erst hebt sich der Reifen vom Boden. Das ist nicht viel, und je nach Fahrzeug und Federung unterschiedlich (Blattfedern oder Luftfederung etc.) sollte aber mit berücksichtigt werden.

  3. Kleiner Tipp: Hebt nie einen Ford Transit an der Karosserie an. Der Schweller biegt sich durch. Und bei allen anderen Nutz-Fahrzeugen würde ich es auch lassen.

    Aber wieso soll ich mir Gedanken über einen Wagenheber machen, wenn der Hersteller des Fahrzeuges einen vorschlägt? Die können sich wesentlich bessere Gedanken machen als ich.

    1. Der boardeigene Wagenheber ist bei uns ein Scherenwagenheber. Ich bin sicherlich keine schwächliche Person und Ausdauer habe ich auch. Aber mit dem einen Reifen zu wechseln macht keinen Spaß, denn er ist recht schwergängig.
      Deshalb kam bei uns auch die Frage auf, was wohl der bessere Heber sowohl für unterwegs als auch zuhause sei.
      Je nach Anforderung (nutze ich ihn nur zuhause, oder auch unterwegs oder beides), kann sich die Wahl des Wagenhebers durchaus unterscheiden.

      Und generell sollte man einen Wagen, wie schon im Artikel beschrieben, immer nur an den dafür vorgesehenen Stellen anheben und nicht einfach irgendwo an der Karosserie. Auch nicht einfach irgendwo an der Achse, denn es kann für das Fahrzeug böse enden.

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