Gran Canaria

Klettergebiete auf Gran Canaria

Langsam wird es kälter und uns wird klar, dass der Sommer zu Ende ist. Genau die richtige Zeit, sich über die kommenden Kletterurlaube Gedanken zu machen. Deshalb möchten wir euch Gran Canaria als Kletterziel vorstellen. Wir waren 2016 dort und zeigen euch die schönen, aber auch die schlechten Seiten des Kletterns dort.

Gran Canaria – Klettern, Sonne und Meer

Genau wie die Insel Teneriffa ist Gran Canaria eine der kanarischen Inseln und für viele Sonnenanbeter ein adäquates Ziel. Theoretisch kann man hier ganzjährig klettern, doch ich würde eher den Frühling und vor allem den Herbst empfehlen. Dann ist es auf Gran Canaria über die Mittagsstunden warm genug, um auch etwas vom Meer oder Pool zu haben.

Lage und Wissenswertes für den Urlaub

Gran Canaria ist eine spanische Insel und liegt etwa 210 Kilometer westlich von Marokko im Atlantik. Sie ist die drittgrößte Insel der Kanaren und liegt zwischen ihren großen Schwestern Teneriffa und Fuerteventura. Die größte Erhebung der Insel bildet der bereits erloschene Vulkan Pico de las Nieves. Das Wahrzeichen der Insel ist der Roque Nublo, auf dem man auch klettern kann.

Mit dem Flugzeug kommt man in etwa fünf Stunden zur Insel. Ferienwohnungen findet man in jedem größeren Ort.

Klima auf Gran Canaria

Auf Gran Canaria herrscht ganzjährig eher mildes Klima. Die Insel gliedert sich in mehrere Klimazonen. Hauptsächlich trennt sich der trockene und wärmere Süden der Insel vom etwas feuchteren und kühleren Norden ab. In den Höhenlagen ist es zudem ebenfalls kühler und feuchter, als in den Küstenregionen.

Das Wetter wird durch den Nordost-Passatwind bestimmt, der auch dafür Sorge trägt, dass es im Norden häufiger zu Niederschlägen kommt, als im Süden. Im Norden der Insel findet man die typischen Lorbeerwälder und viele Kastanienbäume. Generell ist der Norden deutlich grüner als der halbwüstenartige Süden. Im trockenen Süden gedeihen vor allem Wolfsmilchgewächse und Kakteen wie der weit verbreitete amerikanische Feigenkaktus.

Die Tierwelt ist auf Gran Canaria eher rar und man trifft fast ausschließlich auf Echsen und Insekten.

Gran Canaria
Fels, Staub, Meer und blauer Himmel. Willkommen auf Gran Canaria.

Klettern auf Gran Canaria

Gran Canaria hat mehrere Klettergebiete, die sich über die Insel verteilen. Wir hatten den Kletterguide Climbo* im Gepäck. An sich ist der Guide super und er hat für die schwierigen Anfahrten und Zustiege jeweils eine Fotostrecke abgedruckt, was das Suchen erheblich erleichtert. Allerdings war er bei uns nach zwei Wochen Benutzung auch schon ziemlich zerfleddert. Aber er tut trotzdem, was er soll.


Erhältlich ist der Kletterführer sowohl über Amazon als auch direkt vor Ort. Wir hatten ihn in der Bücherei El libro technico in Las Palmas erworben.

Das nötige Kletterequipment

Obwohl in den allermeisten Fällen ein 60-Meter Seil reichen würde, würde ich eher zur Mitnahme eines 70-Meter langen Seils raten. Da hat man auf jeden Fall die Sicherheit, dass man damit so ziemlich jede Route, die man sich aussucht klettern kann.

Dank der rostigen Haken ist auch das eine oder andere mobile Sicherungsmittel und der eine oder andere zusätzliche Karabiner nicht fehl am Platz.

Wer sich unsicher ist, dem sei außerdem eine Panikschlinge* oder ein Clipstick* empfohlen. Manchmal hat man ein besseres Gefühl, wenn man einen rostigen Bolt damit schnell hinter sich lassen kann und das Seil früh in den nächst besseren klippen kann.

Beschreibungen zu Klettergebieten, die wir selbst besucht haben

Moya

Im Klettergebiet Moya bekommt man schnell das Gefühl, eine andere Welt betreten zu haben. Alles ist grün und zu den Sektoren muss man sich regelrecht durchschlagen. Dabei kann es auch schnell mal passieren, dass man schon beim Zustieg oder spätestens beim Sichern nasse Füße bekommt. Deshalb konzentrierten wir uns bei unserem eintägigen Besuch auf die vorderen Sektoren an der trockenen Wandseite. Die Routen sind mäßig hoch und laut unserem Guide liegt der Großteil der Schwierigkeit im 6 Franzosengrad oder schwieriger. Mit einem 60 Meter langen Seil kommt man hier locker zurecht.

Lage: Moya liegt im Norden der Insel. Über die Autobahn fährt man von Las Palmas auf der GC-2 in Richtung Gáldar/Agaete. Eine der Ausfahrten beschildert den Ortsnamen Moya. Diese Ausfahrt nehmen und anschließend der Beschilderung in Richtung El Hormiguero folgen. An einer kleinen Brücke kann man unter dem großen Baum parken.

Zustieg: Vom Parkplatz aus folgt man dem Weg hoch zur Wasserrinne und geht dann an dieser entlang. Achtung: Der Weg unten in der Barranco ist sumpfig und nicht begehbar. Wenn man sich auf der Wasserrinne zu unsicher fühlt kann man auch nach dem Weg rechts suchen. Dieser umgeht vor allem die schwierigste Passage der Wasserrinne am großen, herausragenden Felsen vorbei. Diesen Weg erkennt man an den beiden Fixseilen, die man als Hilfe bei den beiden steilen Stücken des Weges zur Hilfe nehmen kann. Aber auch bei der Umgehung der Wasserrinne sollte man Vorsicht walten lassen, denn oben auf dem Hügel liegt viel loses Geröll, auf dem man schnell ausrutschen kann.

Kinder: Der Kletterguide rät davon ab, mit Kindern in das Gebiet zu gehen und das können wir auch so bestätigen. Obwohl unsere Kinder sehr trittsicher sind (Ronja war lange Zeit als Turnerin auf Balken unterwegs und auch Tim ist schon über die eine oder andere Wasserrinne balanciert) war es schwierig, sie heil bis ins Klettergebiet zu bringen. Beide Wege sind für kleine Kinder nicht alleine zu schaffen und auch mit Hilfe kann es schnell gefährlich werden. Möchte man die Kinder dennoch mitnehmen sollte man lieber selbst den Weg erst ablaufen um einzuschätzen, ob es machbar ist. Ist man aber erst einmal im Klettergebiet angekommen, gibt es keinen Grund mehr zur Sorge. Dort ist alles sicher und für die Kinder wiederum ein Paradies.

Tamadaba

Tamadaba war für uns mit Abstand das schönste Klettergebiet auf Gran Canaria. Leider war es durch seine Lage im Norden auch am weitesten von allem weg. Die Aussicht ist super und die Routen wirklich einzigartig schön. Auch die Auswahl an Sektoren und Routen ist hier am Größten. Wir waren völlig alleine am Felsen und die Ruhe und Atmosphäre war beeindruckend. Ein Seil mit 60 Meter im Gepäck reicht. Die Schwierigkeiten liegen zwischen dem 5 und 8b (frz.). Die meisten Routen liegen zwischen 6a und 7b. Bei insgesamt über 170 Routen findet aber jeder etwas für mindestens einen Tag zum klettern.

Lage: Das Klettergebiet Tamadaba liegt im gleichnamigen Naturpark im Nordwesten der Insel. Mit dem Auto ist es zwar gut erreichbar, doch weit von allen touristischen Hauptzielen entfernt. Über kurvenreiche Bergstraßen geht es in Richtung Cruce Tejeda, Artenara und letztendlich Richtung Tamadaba. Man folgt den Schildern bis zum Campingplatz, an dem man auch parken kann. Das Klettergebiet ist nicht ganz einfach zu finden und wir waren um die Bildbeschreibungen in unserem Guide dankbar. Wir haben von Playa del Hombre bis Tamadaba etwa 1,5 Stunden benötigt. Magenverstimmungen der empfindlicheren Mitfahrer eingeschlossen.

Zustieg: Tamadaba ist ein riesiges Klettergebiet mit einigen verstreut liegenden Sektoren, die über Trampelpfade erreichbar sind. Im Grunde braucht man etwa 10 Minuten zu den ersten Sektoren. Die Wege sind ganz gut begehbar, wenn auch an den steileren Stellen durch die Piniennadeln etwas rutschig. Trittsicherheit und ein offenes Auge sind von Vorteil.

Kinder: An steileren Stellen sollte man aufgrund der großen Rutschgefahr die Kleinen an die Hand nehmen. Ansonsten können sie im flachen Gelände ab einem gewissen Alter und mit einer gewissen Trittfestigkeit auch alleine laufen. An den Wandfüßen der Sektoren ist oft nur sehr wenig Platz zum spielen, bevor es steil abwärts geht. Wir würden davon abraten, mit kleinen Kindern hinzugehen, wenn diese nicht permanent eine Aufsicht in Greifweite haben. Die heruntergefallenen Piniennadeln können sehr glatt werden und stellen so eine große Gefahrenquelle dar. Sind die Kinder schon etwas älter und können sowohl ihre Fähigkeiten als auch die Gefahren einschätzen, sollte man dieses tolle Gebiet aber auf jeden Fall besuchen.

Absicherung: Die Absicherung in diesem Gebiet war okay. Die Hakenabstände angenehm und die meisten Bolts in Ordnung. Die Umlenker waren meistens mit Ketten verbunden. Natürlich darf man nicht vergessen, dass man auf einer Insel ist und die salzhaltige Meeresluft auch hier die Bolts angreifen kann. Der eine oder andere rostige Bolt war schon dabei, aber im Großen und Ganzen war die Absicherung okay. Wir haben definitiv auf Gran Canaria schlimmeres gesehen.

Quintanilla

Sicher ist der Meerblick beim klettern besonders schön und auch die Parkmöglichkeiten und der Zustieg sprechen eher für das Klettergebiet. Trotzdem haben wir nach zwei Routen hier abgebrochen. Uns waren die Bolts eindeutig viel zu rostig und der Fels zu bröselig, um für sinnvolle Redundanzen zu sorgen (Stand: 10/2016). Leider kam da beim Klettern kein Vertrauen zu beidem auf und minderte so stark das Sicherheitsgefühl. Wer trotzdem hier klettert, der ist mit einem 60 Meter langen Seil gut aufgehoben. Die Schwierigkeiten der 12 Routen liegen zwischen dem 5. und oberen 6. Schwierigkeitsgrad (frz.).

Lage: Das Klettergebiet Quintanilla liegt im gleichnamigen Ort im Norden der Insel. Es liegt direkt neben der GC-2. Parken kann man auf einem großen freien Platz unterhalb der Felsen.

Zustieg: Vom Parkplatz aus kann man innerhalb weniger Meter direkt zu den Felsen gehen. Sie sind vom Parkplatz sichtbar.

Kinder: Für Kinder ist es hier, von den Glasscherben auf dem Parkplatz abgesehen, sicher. Es gibt keine Abhänge, keine große Straße und viel Platz. Aber Achtung, wenn sich die Kinder direkt am Felsen aufhalten, denn es besteht die Gefahr, dass etwas vom losen Gestein herunterbröckelt.

Absicherung: So sicher wie es hier für die Kinder ist, so unsicher ist es für die Kletterer. Obwohl die Bolts in angenehmen Abständen sitzen, sind sehr viele davon stark verrostet. Die Meernähe setzt dem Material stark zu und man sollte nicht blind drauflos klettern. Auch sind viele Felsen sehr bröselig und man weiß nie, wann der nächsten Griff oder Tritt abbricht. Hier ist höchste Vorsicht beim Klettern geboten.

Roque Nublo

Leider waren wir an einem sehr feuchten und windigen Tag an diesem Felsen, der nicht nur unter Kletterern, sondern vor allem auch unter den „normalen“ Touristen bekannt ist. Das Wahrzeichen Gran Canarias macht seinem Namen nicht selten alle Ehre und verhüllt sich in den Wolken. Bei unserem Besuch war es sehr feucht und windig, weshalb wir beschlossen hatten, dort nicht zu klettern.
Insgesamt scheint der Fels dennoch ein paar schöne Kletterrouten bereit zu halten. Man sollte hier mit einem mindestens 70 Meter langen Seil auftauchen, wenn man die langen Routen am Roque Nublo klettern möchte. Auch sind vor allem die Routen am Roque Nublo bis auf eine Ausnahme clean – also ohne Bolts. Lediglich die Routen nebenan am Felssektor La Rana sind voll mit Bolts ausgestattet. Genügend Material zum selbst absichern sollte man also schon in der Tasche haben.

Lage: Der Roque Nublo ist das Wahrzeichen Gran Canarias. Er befindet sich ziemlich in der Inselmitte und ist einer der höchsten Punkte der Insel. Die GC-600 führt an diesem Felsen vorbei. Der Weg dorthin ist außerdem gut ausgeschildert und an der Straße gibt es Parkplätze. Man sollte in jedem Fall früh dort sein, da hier viel Touristenverkehr ist und die Parkplätze begrenzt sind. Vorsicht bei Falschparkern: Die Polizei kontrolliert hin und wieder die parkenden Autos.

Zustieg: Der Zustieg zum Roque Nublo nimmt etwas Zeit in Anspruch. Mit etwa 30-40 Minuten sollte man rechnen. Der Weg ist allerdings leicht zu finden. Man muss nur den Touristenströmen folgen.

Kinder: Der Zustieg ist auch für Kinder leicht zu bewältigen. Es könnte höchstens etwas weit für die kurzen Kinderbeine sein. Auch ist zwischen den beiden Kletterfelsen, dem Roque Nublo und dem La Rana genügend Platz.

Absicherung: Die Absicherung konnten wir nur vom Boden aus in Augenschein nehmen, da wir hier nicht geklettert sind. Sie sah aber, soweit wir das beurteilen konnten, einigermaßen okay aus. Den einen oder anderen rostigen Bolt haben wir ausmachen können. Die Abstände zwischen den Bolts war aber dafür völlig in Ordnung.

Gran Canaria
Der Roque Nublo und links davon La Rana. An beiden Felsen kann geklettert werden.

Sorrueda

Sorrueda ist das zweitgrößte und -schönste Klettergebiet der Insel. Es ist sowohl landschaftlich als auch zum Klettern komplett anders als Tamadaba. Man findet hier etwa 110 Routen. Kletterer, die in den 6. und 7. französischen Schwierigkeitsgraden unterwegs sind, kommen hier voll auf ihre Kosten. Wir waren zwei Tage hier klettern und haben hauptsächlich die Schwierigkeiten 5, 6a und 6a+ abgegrast. Ein 60m Seil ist für dieses Gebiet ausreichend.

Lage: Das Gebiet Sorrueda liegt eher im Süden und ist das zweitgrößte Gebiet der Insel. Von der Autobahn GC-1 nimmt man die Abfahrt nach El Doctoral bzw. Vecindario und folgt der GC-65 in Richtung Lucía. Nach 15 Kilometern folgt man der Beschilderung nach La Sorrueda. Am Ende der Straße des kleinen Dörfchens kann man parken.

Zustieg: Vom Parkplatz benötigt man etwa eine viertel Stunde in das Klettergebiet. Man folgt dazu einfach dem Weg (rechts halten) in die Barranco.

Kinder: Das Klettergebiet ist hervorragend für Kinder geeignet. Da es sich in einer Barranco befindet, herrscht nur an wenigen Stellen eine Absturzgefahr (etwa am Sektor Techo). Meistens aber können sie an einem sicheren Punkt ihr Basecamp aufschlagen. Vor allem die Umgebung lädt zum Spielen und erkunden ein und größere und kleiner Kinder können hier in ihrer eigenen Welt versinken.

Absicherung: Die Absicherung war im Großen und Ganzen gut. Es gab nur wenige rostige Bolts. Meist waren die Umlenker mit einer Kette verbunden und zumindest einer der beiden Bolts sah dort ziemlich vertrauenerweckend aus. Auch die Abstände waren uns nur in wenigen Ausnahmen mal zu weit um ein gutes Gefühl zu haben. Im etwas abgelegenen und schwieriger zu erreichenden Sektor Segundo Anden war der Umlenker komplett weg. Generell ist dieser Sektor aber auch weder sehens- noch kletternswert.

Fataga

Fataga hat eine schöne Atmosphäre. Das war es für uns aber auch schon. Da wir draußen in unbekanntem Gebiet lieber nur bis 6a+ klettern und es in diesem Gebiet nur wenige Routen in diesem Bereich gibt, sind wir schon mit einem Fragezeichen und ohne Kletterausrüstung zum erkunden des Gebietes gekommen. Die meisten Routen sind schwerer als 6a und viele Bolts waren zudem rostig. Deshalb haben wir uns entschlossen, hier nicht klettern zu gehen.

Lage: Das Klettergebiet liegt in der Nähe des gleichnamigen Ortes. Man erreicht den Parkplatz über die GC-60. Der Parkplatz ist direkt an der Straße, aber wenn man nicht aufpasst, ist man schnell daran vorbeigefahren, da der Staudamm, über den man das Gebiet erreicht, von der Straße aus nicht richtig sichtbar ist.

Zustieg: Die Sektoren befinden sich entlang der Wasserrinne unterhalb des Staudamms. Wir sind damals vom Parkplatz dem Weg zum Staudamm gefolgt und über diesen hinweg die Treppe hinunter ins Klettergebiet gekommen. Im März wurde uns von einem Leser berichtet, dass der Zustieg über den Staudamm aufgrund seines miserablen Zustandes gesperrt ist. Wer diesbezüglich neue Infos hat, kann das gerne in den Kommentaren posten oder mich direkt benachrichtigen.

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