Einen Schlafsack zum Wandern finden

Schlafsack? Kennt jeder. Aber im Dschungel der angebotenen Schlafsäcke kann man sich schnell verlaufen. Welcher Schlafsack eignet sich wofür? Worauf achte ich, wenn ich einen Schlafsack für Mehrtageswanderungen suche? Ich versuche hier mal (ein kleines) Licht ins Dunkel zu bringen.

Welcher Schlafsack eignet sich zum Wandern?

So könnte die Suchanfrage in vielen Outdoorshops aktuell lauten. Klar, nicht erst seit Corona steht Wandern bei den Deutschen hoch im Trend, doch das Virus hat mit Sicherheit dafür gesorgt, dass dieser Trend noch weiter wuchs.

Welche Schlafsackform ist zum Wandern sinnvoll?

Für Trekkingtouren ist einzig ein Mumienschlafsack sinnvoll. Er bietet das optimale Isolations-Packmaß-Gewichtsverhältnis.

Aufgabe eines guten Schlafsacks ist es, dich bestmöglich von der Umgebung zu isolieren, damit der Körper den kleinstmöglichen Aufwand betreiben muss, die Körpertemperatur zu regulieren. Dafür benötigt der Schlafsack eine Kapuze, die man bei Bedarf eng um den Kopf zuziehen kann, eine Abdeckleiste für den Reißverschluss sowie die passende Form und Länge. Wird es kälter ist auch ein Wärmekragen unabdingbar. Auch die Länge ist entscheidend, denn der Körper schafft es nach einem anstengenden Tag nicht, den Leerraum an Beinen und Füßen zu wärmen. Ist der Schlafsack für Kinder beispielsweise zu lang, sollte er mit Kleidung ausgestopft oder unterhalb der Füße abgebunden werden. Nur, wenn der Schlafsack überall relativ nah am Körper liegt und die Luft nicht über Öffnungen wegströmen kann, hält er auch richtig warm. 

Mumienschlafsack
Ein Mumienschlafsack ist der Körperform angepasst und hat das beste Verhältnis von Packmaß/Gewicht zur Isolationsleistung. Dieser hier ist mir allerdings etwas zu  lang.

Welches Material?

Ob Daunenschlafsack oder Schlafsack aus Kunstfaser entscheidet vor allem das Einsatzgebiet. Daunenschlafsäcke punkten im Bereich Packmaß und Gewicht im Vergleich zur Isolierung. Ein Daunenschlafsack ist bei gleicher Isolationsleistung um bis zu 30 Prozent leichter, bei den Top-Produkten sogar mehr, und deutlich komprimierbarer als ein Kunstfaserschlafsack. Dafür kostet ein Daunenschlafsack auch mehr.

Daunenschlafsack mit geringem Gewicht
Gute Daunenschlafsäcke wiegen recht wenig und halten trotzdem warm.

Nachteil des Daunenschlafsacks ist, dass bei Feuchtigkeit die Isolationsleistung stark abnimmt. Während ein Kunstfaserschlafsack auch feucht noch immer wärmt, verklumpen die feinen Verästelungen der Daunen und können so keine Isolierschicht mehr aufbauen. Deshalb müssen Daunenschafsäcke auch zwingend am Morgen gut gelüftet werden. Nur so kann das Wasser, dass jeder Mensch über Nacht verliert (ca. 0,5 – 1 Liter), wieder entweichen und die Isolierwirkung bleibt erhalten.

Bei Daunenprodukten wird immer das Füllgewicht und die sogenannte Bauschkraft (Cuin) angegeben. Das Füllgewicht ist selbsterklärend. Je Höher der Bauschkraft-Wert ist, desto besser ist auch die Isolationsleistung des Schlafsacks. 600 Cuin sind schon ein ganz guter Wert, wer es besonders leicht und warm möchte, der sollte auf einen Wert von mehr als 800 Cuin achten. Auch das Mischungsverhältnis von Daunen zu normalen Federn ist normalerweise angegeben. Hier gilt ebenfalls: ein höherer Wert ist immer besser. 

Bauschkraft beim Daunenschlafsack
Der Pajak Radical 1Z ist nicht nur leicht, er hat eine Bauschkraft von 900 Cuin. Dieser Sommerschlafsack verspricht damit eine Komforttemperatur bis +5° C.

Wer in sehr feuchten Regionen wandern möchte oder mehrere Regentage überbrücken muss, sollte einen Kunstfaserschlafsack bevorzugen und das größere Gewicht in Kauf nehmen. Auch für Lagerfahrten, wo der Schlafsack nicht täglich im Rucksack mitwandern muss, ist ein Kunstfaserschlafsack sinnvoll. Kunstfaserschlafsäcke sind deutlich besser zu reinigen und robuster als das feine Daunenmaterial, das man nur waschen sollte, wenn es durch häufige Nutzung notwendig ist. Für das Waschen von Daunenschlafsäcken gibt es auch bestimmte Anweisungen und Vorgaben, damit er möglichst lange hält. Am Besten wäscht man den Daunenschlafsack per Hand in der Badewanne, wringt ihn auf keinen Fall aus, sondern drückt ihn nur vorsichtig aus. Anschließend lässt man den Schlafsack dann viele Tage auf dem Boden oder Wäscheständer liegend trocknen. Dabei müssen die Daunenknötchen immer wieder aufgeschüttelt und auseinandergestrichen werden. Kunstfaserschlafsäcke trocknen übrigens auch viel schneller als Daunenschlafsäcke und dürfen problemlos in die Waschmaschine.

Sonderstellung: imprägnierte Daunen

Immer häufiger gibt es auch Schlafsäcke mit imprägnierten Daunen. Hierfür werden die Daunen mit einem speziellen Imprägniermittel veredelt. Das ändert nichts an den wärmenden Eigenschaften, der Bauschkraft oder dem Gewicht der Daune. Die Imprägnierung sorgt aber dafür, dass die Daune bei Feuchtigkeit nicht gleich zusammenklebt und der Schlafsack auch weiterhin warm hält. Richtig durchnässt sollte er aber dennoch nicht werden.

Auch bei den Schlafsäcken mit imprägnierten Daunen sollte man bedenken, dass eine häufige Wäsche dem Schlafsack nicht gut tut und sich auch die Imprägnierung bei jedem Waschgang abnutzt.

Schlafsack, Daunen und Tierschutz

Das Thema Daunen in der Textilindustrie ist ein sehr umstrittenes Thema. Wer sich für einen Daunenschlafsack entscheidet, sollte immer darauf achten, dass er nicht mit großem Tierleid in Verbindung steht. Hierfür gibt es Zertifikate wie der Responsible Down Standard, Down Codex, der Global Tracable Down Standard und einige andere wie Öko-Tex. Die so gekennzeichneten Produkte stammen aus ethisch möglichst vertretbarer Produktion, weil die Daunen von bereits toten Tieren entnommen werden, die für die Lebensmittelproduktion geschlachtet wurden. Stopfleberproduktion ist dabei ausgeschlossen und auch die Haltung der Tiere wird dabei mit berücksichtigt.

Mit oder ohne Inlett?

Inletts verbessern die Wärmeleistung des Schlafsacks und verhindern, dass er schnell schmutzig wird. Besonders bei Daunenschlafsäcken kommt dies zum Tragen. Wer also fürchtet, zu frieren oder wer seinen Schlafsack schonen will, der sucht sich ein passendes Inlett. Diese gibt es aus Seide, Mikrofaser, Baumwolle oder Fleece. Wer beim Wandern auf das Gewicht und die Größe des Inlets achtet, der greift zum Seideninlett oder Mikrofaserinlett. Fleece bringt dafür die größte Wärmeleistung.

Welcher Temperaturbereich für den Schlafsack?

Dieser Punkt ist der wohl schwierigste. Jeder hat ein anderes Wärmeempfinden und -bedürfnis.

Zuallererst sollte geklärt werden, wann und wo der Schlafsack zum Einsatz kommen soll. Wer nur im Sommer in Deutschland unterwegs ist, hat andere Anforderungen als jemand, der auch im Herbst noch hoch in den Bergen nächtigen möchte.

Die Temperaturangabe auf dem Schlafsack bietet auch nur einen ersten Anhaltspunkt. In der Regel sind drei Temperaturen angegeben: Komfort, Limit und Extrem.

Der Komforttemperaturbereich gibt an, bis zu welcher Temperatur die 25-jährige Durchschnittsfrau mit 1,60 m und 60 kg Körpergewicht gerade so nicht friert. Der Limitbereich gibt an, bis zu welcher Temperatur der 25-jährige Durchschnittsmann mit 1,73 m und 75 kg Körpergewicht gerade so nicht friert. Der Extrembereich ist insofern irrelevant, als dass er nur angibt, bis zu welcher Temperatur die Durchschnittsfrau überlebt, aber im Zweifel Erfrierungen davonträgt.

Wie du siehst, sind diese Angaben relativ. Für mich als 1,70 m große und 58 kg schwere Mittdreißigerin nur schwer anwendbar. Zumal ich eher dazu neige, nachts zu schwitzen, während Claudia eher friert und Eric irgendwo dazwischen liegt. Es ist also nur ein grober Richtwert. Wer schnell friert, sollte sich einen größeren Puffer einrechnen und lieber einen Schlafsack für kältere Temperaturen kaufen, als zu erwarten sind. Hitzköpfe wie ich können andererseits auch nachts einfach die Kapuze nicht zuziehen oder den Reißverschluss ein Stückchen öffnen.

Temperaturangabe beim Schlafsack
Die Temperaturangabe beim Schlafsack ist immer nur ein ungefährer Richtwert. Jeder Mensch empfindet eben etwas anders und hat andere körperliche Voraussetzungen.

Isolierung von unten

Nicht allein die Temperaturangaben auf dem Schlafsack sind wichtig. Um nicht zu frieren, muss man sich natürlich auch gegen die Kälte von unten schützen, da der Schlafsack an der Stelle, wo du liegst, komprimiert wird und die isolierende Luftschicht weg bleibt. Deshalb ist eine passende Unterlage immer wichtig und sinnvoll. Wegen des geringen Gewichts und des kleinen Packmaßes sind beim Wandern eigentlich nur Isomatten sinnvoll.

Wir nutzen hier übrigens die Therm-a-Rest Prolite Apex 2020*. Die ist unserer Meinung nach der beste Kompromiss zwischen Bequemlichkeit und Packmaß/Gewicht.

Das Obermaterial

Mittlerweile gibt es unzählige Materialien, in die das Isoliermaterial (Daune oder Kunstfaser) gefüllt wird. Und jeder Hersteller schwört auf seine eigene Mischung. Wichtig ist zu wissen, wofür du den Schlafsack einsetzen möchtest. Liegst du immer im Zelt auf einer Isomatte oder auch mal so im Freien auf dem Boden? Bei letzterem ist es besonders wichtig, auf robustes und wasserabweisendes Material zu achten. Dann kann aber das Gewicht des Schlafsacks schon wieder zunehmen. Wer auf ultraleichte Schlafsäcke aus ist, der hat im Gegensatz dazu meist weniger robustes Obermaterial.

Welcher Schlafsack ist der Beste?

Das kann man so nicht sagen. Es kommt eben immer auf das Einsatzgebiet und persönliche Vorlieben an. Und je mehr man sich auf ein Thema spezialisiert (besonders leicht, besonders robust, besonders warm, …) desto mehr entfernt man sich wieder von einem anderen Thema. Deshalb ist es umso wichtiger, zu wissen, wofür man den Schlafsack letztendlich braucht.

Wir haben uns im Frühsommer 2020 verschiedene Schlafsäcke zum Wandern angeschaut, weil unsere alten langsam ausgedient haben. Das Ergebnis unserer umfassenden Suche kannst du in dem zugehörigen Beitrag (folgt noch) nachlesen.

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