Solaranlage einbauen – so geht es

Du hast dir alle Komponenten für eine Solaranlage gekauft und möchtest diese jetzt einbauen. Wie du das machst und worauf du achten musst, erfährst du hier.

Einbau einer Solaranlage – so geht’s

Vielleicht warst du schon bei einem Berater oder hast dich anderweitig informiert und hast nun alle benötigten Komponenten zuhause liegen. Das ist schon mal super. Nur wie fängst du jetzt an?

Anhand des Einbaus unserer Solaranlage möchten wir dir zeigen, wie wir es gemacht haben und worauf du achten musst.

Vorbereitung

Ein paar Grundlagen in Sachen Elektrik sollten dir bekannt sein. Wenn du in dem Bereich gänzlich unerfahren bist, lässt du dir die Solaranlage besser von einem Fachmann einbauen oder holst dir Verstärkung von Freunden oder Bekannten, die mehr Erfahrung auf dem Gebiet haben.

Wichtig ist es zu wissen, dass du die Solarmodule stromlos machst, wenn du sie anschließt, da sie im Sonnenlicht sofort Strom erzeugen. Entweder du verwirklichst also den Einbau in einer Halle oder du besorgst dir große Kartons oder Planen, um diese für diesen kurzen Moment abzudecken.

Wir haben einfach die Kartons aufgehoben, mit denen die Solarmodule geliefert wurden. Die passen genau drauf und wenn es windstill ist, bleiben sie auch dort, wo du sie hinlegst.

Nun geht es aber ans Eingemachte. Stelle sicher, dass du wirklich alle Komponenten da hast und nichts fehlt.

Bei uns waren das:
5 x 150 Watt Solarmodule (die, die wir gekauft hatten, gibt es nicht mehr)
5 x Halterungsset für Solarmodule*
2 x MPPT 100/30 Laderegler
2 x 40A KFZ-Sicherung*
1 x Batteriemonitor
20 m Solarkabel (haben wir aber nicht komplett aufgebraucht)
5 m Fahrzeugleitung*
3 x Y-Steckerset – kompatibel zu MC4 Stecker*
4 x 
Solarstecker Weidmüller PV-Stick + und – Set Crimpless
1 x Dachdurchführung für Kabel

Außerdem brauchst du natürlich das passende Werkzeug wie Akkuschrauber, Bohrer, Schraubendreher, Crimpzange und Seitenschneider sowie Kabelschuhe und Adernendhülsen für die Kabelbearkonfektionierung.

Warum 2 x MPPT-Laderegler?

Da wir oft frei stehen und auch gerne Länder ohne große Camping-Infrastruktur besuchen, war es uns wichtig, eine Redundanz einzubauen. Also haben wir einmal 3 Solarmodule und einmal 2 Solarmodule zusammengeschlossen und jeweils über den Laderegler zur Batterie geführt.

Bei einem Ausfall eines Systemes haben wir so immer noch mindestens 2 funktionierende Solarmodule. Diese retten dann hoffentlich zumindest den elektrisch betriebenen Kühlschrank.

Der große Plan

Damit du weißt, wie du am besten anfängst und alles richtig verkabelst, musst du wissen wie die einzelnen Komponenten überhaupt zusammengeschlossen werden müssen.

Dafür haben wir einen kleinen Plan kreiert. Im Plan kannst du auch sehen, welche Kabelstärken wir verwendet haben und wie alle Komponenten unserer Solaranlage angeschlossen wurden. So ein Plan ist recht praktisch (kann natürlich auch von Hand gezeichnet sein), denn dann kann man nochmal einen Fachmann drüber schauen lassen, ob alles richtig geplant ist.

So werden unsere Komponenten zusammengeschlossen.

Gut zu wissen

Ob du erst die Solarmodule anklebst, die Laderegler anschraubst oder die Kabel verlegst, ist im Grunde egal. Wichtig ist zu wissen, dass die Solarmodule sofort Strom generieren, wenn sie dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Die Solarmodule solltest du also erst ganz zum Schluss an die Kabel anschließen.

Solarmodule (und ihre Halter)

Zuerst musst du dir natürlich Gedanken machen, wo genau du die Solarmodule positionierst. Die Klebeflächen auf dem Dach müssen selbstverständlich, ebenso wie die Halter/Module, sauber und fettfrei sein.

Die Halter für die Solarmodule schleifst du vor dem reinigen kurz mit einem feinen Schleifpapier an, damit die Oberfläche etwas aufgeraut ist.

Es wird allgemein empfohlen, die Module lose auf die Halter auf das Dach zu legen, die Positionen für die Halter exakt anzuzeichnen oder abzukleben, die Flächen zu reinigen und mit einem Haftaktivator* vorzubereiten. Die Halter werden dann auf die zuvor ermittelte Position geklebt. Als Klebstoff empfiehlt sich Dekasyl MS-5*.

Um die Halter anzukleben, benötigt man ca. 1 Kartusche Dekasyl MS-5 für 2 Solarmodule. Das Dekasyl MS-5 gibt es auch im praktischen Set* zusammen mit dem Haftaktivator, einem vorgetränkten Reinigungstuch und einem Blatt Schleifpapier. Dann brauchst du nur noch weitere einzelne Kartuschen, wenn du mehr als zwei Module verkleben möchtest.

Wenn die Halter angeklebt sind, muss der Kleber aushärten. Je nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur dauert es bei einer 4 mm starken Klebefläche ungefähr 24 Stunden.

Danach können die Solarmodule auf dem Halter befestigt werden. Je nachdem, welchen Halter und welche Module du hast, werden diese mittels Schrauben befestigt. Das hat den Charme, dass man irgendwann zum Beispiel ein defektes Modul wieder abnehmen und austauschen kann.

Alternative

Wir haben ein völlig flaches Dach ohne jegliche Unebenheiten. Deshalb haben wir entgegen vieler Empfehlungen die Halter und die Module von im Vorfeld am Boden zusammengeschraubt. Hierzu haben wir kleine Löcher in die Solarmodule vorgebohrt und anschließend mit der mitgelieferten Schraube an dem Halter angeschraubt.

Anschließend haben wir auf dem Dach die Positionen für die Module angezeichnet. Dann haben wir die beiden Klebeflächen für jeweils ein Modul mit dem Haftaktivator vorbereitet, gemäß Beschreibung ablüften lassen und das Dekasyl MS-5 aufgetragen. Dann mussten wir nur noch die vormontierten Solarmodule auf der Klebefläche andrücken.

Wir haben entgegen der Empfehlung auf unserem ebenen Dach die vormontierten Solarmodule aufgeklebt.

Laderegler und Sicherungen für die Solaranlage

Damit deine Solaranlage fehlerfrei funktioniert, muss zwischen Batterie und Solarmodul ein Laderegler installiert werden. Wir haben uns für MPPT Laderegler entschieden. Diese werden innerhalb des Wohnmobils oder Wohnwagens installiert.

Laut Hersteller sollten sie an einer Wand senkrecht angeschraubt werden, damit sie gut hinterlüftet werden. Leider haben wir im Unterboden für unsere Technik keine senkrechte Wand und haben Sie deshalb liegend befestigt. Das ist natürlich suboptimal und solle nach Möglichkeit nicht so gelöst werden. Die warme Luft kann dann schlechter weg. Wie gut das bei uns funktioniert und ob die Laderegler zu heiß werden, müssen wir erst noch testen. Weil wir unsicher waren, wie warm es wirklich unter dem Laderegler wird, haben wir die beiden Laderegler auf ein Warzenblech aus Alu geschraubt.

Nach jedem MPPT-Laderegler muss eine Sicherung angebracht werden. Hierzu wird die Sicherung einfach in das Pluskabel zwischen den MPPT-Laderegler und die Boardbatterie gesetzt.

Batteriemonitor

In unser System haben wir einen Batteriemonitor BMV-712 Smart von Victron Energy eingebaut, der uns unter Anderem den Ladezustand der Batterien anzeigen kann.

Damit dieser funktioniert, muss er zusammen mit dem mitgelieferten Shunt richtig verkabelt werden. Den Shunt setzt man dabei möglichst nahe an die Batterien. Wie du Shunt, Batterien und Co. richtig verkabelst, siehst du im Plan weiter oben. Wichtig ist, dass immer die passenden Kabel und Kabelschuhe verwendet werden. Für die großen Kabelschuhe, beispielsweise an den Batterien, empfiehlt es sich mit einer Hydraulischen Crimpzange* zu arbeiten. Damit sind die Kabelschuhe und die Kabel auch sicher und ordentlich verbunden und man schafft das auch ohne großen Krafteinsatz. 

Wie du siehst, fällt doch so einiges an Kabelsalat an. Wichtig ist, dass du bei den vielen Kabeln den Überblick nicht verlierst. Zwischenzeitliches Beschriften hilft.

Den BMV-712 installierst du irgendwo im Wohnraum. Im Lieferumfang sind 10 Meter Schnittstellenkabel enthalten, die vom Shunt zum BMV-Monitor geführt werden und die Anzeigedaten übermitteln. Da man auch via Bluetooth auf dem Handy alle möglichen Informationen abrufen kann, muss der Monitor nicht zwingend leicht zugänglich sein, falls das Kabel doch zu kurz sein sollte.

In unserem Fall hatten wir die alten Lautsprecher rausgeworfen und ohnehin ein Loch in der Wand. Bei plattenzuschnitt24.de haben wir uns dann Alu-Dibond-Zuschnitte nach Maß und mit vorgefertigten Ausschnitten schicken lassen und dort den Batteriemonitor eingesetzt und damit das alte Loch der Lautsprecher abgedeckt.

Der Batteriemonitor BMV-712 passt perfekt in den Alu-Dibond-Zuschnitt.

Die Dachdurchführung

Die Solarkabel müssen natürlich auch irgendwie vom Dach in den Wohnraum. Hierfür wird zunächst ein ausreichend großes Loch in das Dach gebohrt. Wir haben das Kabel durch einen unserer Schränke sowie die Verkleidung für ein Rohr geführt. So ist es sozusagen unsichtbar. Außerdem sieht man das unschöne Loch in der Decke nicht und muss es auch nicht wieder verkleiden.

Die Position des Loches haben wir von unten bestimmt und zuerst mit einem kleinen Bohrer vorgebohrt und dann schrittweise mit größeren Bohrern vergrößert. Da wir ein redundantes System aufgebaut haben, mussten wir gleich zwei Löcher bohren um die beiden Doppelkabel hindurchzuführen.

Ist das Loch in der Decke, muss das Kabel durchgesteckt werden und die Dachdurchführung installiert werden. Dazu wird das Kabel auch durch die Dachdurchführung und die Kabelschleusen gesteckt.

Danach wir die Dachdurchführung über das Loch – oder die Löcher – geklebt. Hier kann man den gleichen Kleber nehmen wie für die Solarpaneelen. Aber Achtung: es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Klebefläche komplett flächig geschlossen und damit dicht ist. Nur so ist gewährleistet, dass kein Wasser in den Innenraum gelangen kann. Wenn der Kleber aufgebracht ist, wird die Dachdurchführung über die Löcher geklebt und angedrückt. Nun darf sie nicht bewegt werden, bis sie gemäß Datenblatt durchgetrocknet ist.

Der große Moment: das zusammenklemmen der Solaranlage

Sind Dachdurchführung, Laderegler, Shunt und Batteriemonitor sowie die entsprechenden Sicherungen gesetzt und richtig verkabelt (siehe Plan oben), dann müssen nur noch die Solarmodule an das System angeschlossen werden.

Hierzu deckst du die Module am Besten ab, damit sie stromlos sind (wenn du nicht sowieso in einer Halle bist). Auch haben wir für diesen kurzen Moment die Sicherungen nach den Ladereglern ausgelöst.

Die Solarmodule haben jeweils einen vormontierten Stecker. Um mehrere Solarmodule parallel zu schalten, werden sie mittels Y-Steckern verbunden. Dabei werden hier jeweils einmal die Pluskabel mittels Y-Stecker zusammengeführt und einmal die Minuskabel der Solarmodule zusammengeführt und dann jeweils zu den Ladereglern geführt.

Hinter dem Y-Stecker muss auf das nächste Kabel wieder ein Solarstecker montiert werden. Die Solarstecker von Weidmüller, die wir verwendet haben, sind „Crimpless“. Das heißt, man muss die Kabel nur abisolieren und in die Stecker einführen. Dort verankern sie sicher und fest – ganz ohne Werkzeug.

Sind alle Kabel zusammengeschlossen, werden die Solarmodule wieder von den Kartons befreit und die Sicherungen wieder zurückgesetzt. Jetzt sollte alles funktionieren. Die Solaranlage kann nun Strom produzieren und in die Batterien einspeisen.

Wir werden jetzt unsere Anlage einige Zeit testen und euch dann mitteilen, wie gut sich die 750 Watt mit der kompletten Solaranlage im Wohnmobil bewährt haben.

Weitere Themen zum Thema Solaranlage

Weitere Infos findest du hier: Solaranlage für das Wohnmobil

Habe ich etwas wichtiges vergessen? Hast du etwas anders gemacht, und warum? Schreib mir doch in die Kommentare. 

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