Tim wechselt die Reifen

Reifenwechsel selbst erledigen

Bald ist Ostern und für viele Besitzer eines Kraftfahrzeugs steht der Reifenwechsel bevor. Die Meisten lassen sich die Reifen in einer Werkstatt wechseln. Das kostet heute, je nach Werkstatt, zwischen 10 und 15 € pro Rad am normalen PKW. Bei einem Wohnmobil wird die Sache schon schwieriger – denn nicht jede Werkstatt wechselt auch an einem Wohnmobil die Reifen.

Wieso nicht den Reifenwechsel selbst erledigen?

Rechne ich für mein Auto und unser Wohnmobil 12,50 € pro Reifen, komme ich pro Saison auf einen Wert von 100 €. Das Ganze auf ein komplettes Jahr gerechnet macht 200 €. Für das Geld kann ich mit der ganzen Familie 4 Tage mehr mit dem Wohnmobil reisen. 4 Tage Urlaub für rund 2 Stunden Arbeit? Ich finde, das lohnt sich.

Natürlich sollten die Reifen hin und wieder in einer Fachwerkstatt auf ihre Umwucht kontrolliert und richtig ausgewuchtet werden. Aber das muss nicht jedes Mal sein.

Was man zum Reifenwechsel braucht

Möchtest du deine Reifen selbst wechseln, benötigst du vor allem diese Dinge:

Reifen wechseln – Schritt für Schritt

Wie kinderleicht der Reifenwechsel bei einem Wohnmobil ist, zeigt Tim hier im Video

Hier nochmal das Vorgehen im Detail

  1. Stelle sicher, dass das Fahrzeug auf einem ebenen Grund steht, der erste Gang eingelegt ist (bzw. der Wählhebel eines Automatikgetriebes auf „P“-Stellung steht) und die Handbremse angezogen ist.
  2. Lege das Werkzeug bereit. Auch das Handbuch des Fahrzeugs sollte griffbereit sein. Dort findest du wichtige Informationen wie die Aufnahmestellen für den Wagenheber oder das richtige Drehmoment zum Anziehen der Radmuttern.
  3. Hast du eine Radkappe, muss diese abgenommen werden. Anschließend löst du mit Hilfe der Ratsche, des Radkreuzes oder -schlüssels die Radbolzen um etwa eine halbe Umdrehung.
  4. Stelle den Wagenheber unter den richtigen Aufnahmepunkt (siehe Handbuch des Fahrzeugs) und hebe das Fahrzeug an, bis sich das Rad etwa 5 cm vom Boden gelöst hat.
    Um Unfällen vorzubeugen, bringe weder Hände noch Füße unter das angehobene Rad.
    Wo die Aufnahmepunkte für den Wagenheber bei unserem Fiat Ducato Wohnmobil sind, siehst du auf den Bildern:
  5. Nun können die Radbolzen ganz gelöst werden. Am einfachsten ist es, wenn du den obersten Bolzen zuletzt löst. Halte dann beim Lösen am unteren Teil des Reifen dagegen, dann löst er sich einfacher.
    Achtung, wenn alle Radbolzen gelöst sind, liegt der Reifen nur noch auf und kann schnell herunter fallen. Pass auf deine Füße auf und nimm den Reifen vorsichtig ab.
  6. Wenn das Rad abgenommen wurde, kannst du die Auflageflächen kontrollieren. Rost sollte mit der Drahtbürste entfernt werden.
  7. Der neue Reifen wird nun aufgesetzt. Hier ist es je nach Gewicht des Reifen nicht verkehrt, helfende Hände in der Nähe zu haben, die beim festhalten helfen. Jetzt werden die Radbolzen handfest eingeschraubt und leicht über Kreuz angezogen.
  8. Dann wird das Fahrzeug wieder abgelassen und der Wagenheber entfernt.
  9. Im letzten Schritt werden die Radbolzen ebenfalls über Kreuz mit einem Drehmmomentschlüssel angezogen. Wenn das richtig eingestellte Drehmoment erreicht ist, rastet der Schlüssel hörbar mit einem Knacken ein. Ein weiteres Anziehen sollte man unterlassen.

Wichtig: Das richtige Drehmoment

Die richtige Einstellung des Drehmoments findest du in der Regel im Handbuch des Fahrzeugs.

Bei unserem Wohnmobil (Fiat Ducato (230,244,250) sind es 180Nm (Newtonmeter).
In der Regel ist das Drehmoment abhängig vom Fahrzeugtyp, Felgengröße und Bauart der Felgen (Aluminium- oder Stahlfelgen). Der Wert liegt somit irgendwo zwischen 80 Nm für kleine Fahrzeuge und 200 Nm für sehr große und schwere Fahrzeuge (4×4 Fahrzeuge, SUV, Transporter etc.).

Bei Sonderrädern stehen diese Angaben auch oft im Datenblatt der Betriebserlaubnis (ABE) der Felgenhersteller.

Wenn du dir nicht sicher bist, welches Drehmoment benötigt wird, frage lieber in einer Fachwerkstatt nach. Denn viel zu leicht angezogene Radmuttern erzeugen zu wenig Vorspannkraft und das Rad könnte sich sogar mit der Zeit lösen. Zu fest angezogene Radmuttern können ebenso verheerende Folgen haben. Bei Stahlfelgen kann durch ein viel zu hohes Drehmoment und die damit erzeugte hohe Vorspannkraft sogar zu einem Abriss kommen oder das Gewinde der Aufhängung beschädigen.

Nach dem Reifenwechsel

Vergiss nach dem Reifenwechsel nicht, die Reifen, die du einlagern möchtest, zu markieren. Damit weißt du beim nächsten Mal, wo welcher Reifen hin soll. Am Besten machst du dies mit Kreide auf der Innenseite des Reifens am Gummi. VL steht dabei für Vorne links. HR für hinten rechts usw.

Auch solltest du gleich den Luftdruck kontrollieren und gegebenenfalls anpassen.

Nach etwa 50 Kilometer empfiehlt es sich, nochmals alle Radbolzen mit dem Drehmomentschlüssel zu überprüfen.

Das richtige Werkzeug

Bei Arbeit kommt es auch auf das richtige Handwerkszeug an. Es gibt klare Preis- und Qualitätsunterschiede und hier wirkliche Tipps zu geben ist schwierig. Es macht eben einen Unterschied, ob ich nur für ein Fahrzeug die Reifen wechseln möchte oder das für alle Freunde und Bekannten gleich mit erledige.

Zuerst solltest du dir überlegen, ob der bordeigene Wagenheber der Richtige ist, um regelmäßig alle Reifen zu wechseln. Hier geht es zum Bericht über die verschiedenen Wagenheberarten.

Drehmomentschlüssel gibt es ebenfalls viele verschiedene Anbieter und Qualitätsstufen. Einige Drehmomentschlüssel kann man schon sehr preiswert erhalten, so wie den Schlüssel von Unitec:

Allerdings kann man hier nicht die gleiche Qualitätsstufe erwarten, wie bei einem teueren Werkzeug. Für den gelegentlichen Räderwechsel sollte das aber ausreichen.

Wir nutzen diesen Drehmomentschlüssel und sind bisher sehr zufrieden damit:

 

Wie hälst du es mit dem Reifenwechsel? Lässt du deine Räder in der Werkstatt wechseln oder sparst du dir gelegentlich das Geld und wechselst selbst?

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